Die Wasserspiele

Weitere künstlerische Attraktionen auf der Ausstellung waren die Licht- und Wasserspiele, wie z.B. die Leuchtfontäne auf dem Festplatz am Rhein oder die Leuchtorgeln neben den Rossehaltern am Haupteingang. Die Wasserspiele in der Gartenschau sollten alles Bisherige auf deutschen Ausstellungen übertreffen. 1 Sie gehörten wie die Gartengestaltung, Baukunst, Plastiken, Wasserkunst und die Fahnenstraße zu dem von Fritz Becker angelegten Gesamtkonzept zur künstlerischen Ausgestaltung und Schmückung des Ausstellungsgeländes. 2

A593 Blick über die Pergolen des kleinen Festplatzes auf die Wasserachse und die Wilhelm-Gustloff-Siedlung im Hintergrund Q Katalog W. v. Wecus 1977
A593 Blick über die Pergolen des kleinen Festplatzes auf die Wasserachse und die Wilhelm-Gustloff-Siedlung im Hintergrund Q Katalog W. v. Wecus 1977

Die Leuchtorgeln von Akademieprofessor Werner von Wecus hatten im wesentlichen einen werbewirksamen Nutzen. Nach dem Motto „ Licht lockt Leute“ 3 sollten sie die Besucher wie Motten anziehen und so die Besucherzahlen steigern helfen. Diese reißerische Wirkung war wohl der Grund für die Umstrittenheit der „sonderbar kunstgewerblich“ 4 wirkenden Lichtspiele, deren komplizierte Apparatur aus je 620 m Leuchtrohr 100 verschiedene Lichtstärken zaubern konnte. 5 Die beiden 30 Meter hohen Leuchtorgeln bestanden aus orgelpfeifenartig angeordneten Stahlrohrmasten, an denen mit Hilfe von Eisenkonstruktionen ‚Linestra‘-Leuchtröhren befestigt waren. Durch Regeltransformatoren wurden die Leuchtröhren im rhythmischen Wechsel erhellt und verdunkelt 6 und dienten wohl mehr der Werbung für die Mannesmann-Röhrenwerke denn als Beleuchtung für den Haupteingang. Die Richtung der Lichterlaufs wies nach oben und leitete so den Blick der Besucher in den Himmel, was einen angenehmen Ausgleich und Kontrast zu der horizontalen Ausrichtung der großen Achse bedeutete.

A592 Die kleine Fontäne vor dem Konditorencafé Q StAD NL Emundts 10
A592 Die kleine Fontäne vor dem Konditorencafé Q StAD NL Emundts 10

Im Gegensatz zu den Leuchtorgeln fand die große Leuchtfontäne auf dem Festplatz uneingeschränkte Zustimmung. Durch die Nähe zum Rhein fand der bis zu 50 m hohe Wasserstrahl seine Berechtigung und wirkte eingeschlossen von 13 m hohen Hallen besonders imposant. Die Anlage war von den Siemens-Schuckert-Werken erstellt worden und gehörte zu den größten, die bis dahin in Europa gebaut worden waren. Das 65 m x 35 m große Wasserbecken hatte einen 1,40 hohen Bekkenrand, der am oberen Ende durch eine Holzkehle begrenzt wurde. Angestrahlt mit Linestra-Röhren machte das Becken den Eindruck einer leuchtenden Alabasterschale. 7 Durch fünf große und drei kleine Kreisfontänen, von 3 Motoren mit jeweils 300 kW Leistung angetrieben, schleuderten 3 Pumpen minütlich bis zu 85.000 l Wasser in die Höhe 8 und formten Hängebrücken, Vorhänge oder Wolkenkratzer. Das Schauspiel wurde von 496 teils farbigen Scheinwerfern mit einer Lichtleistung von insgesamt 45.600 Watt angeleuchtet. 9

Eine weitere, kleine Leuchtfontäne befand sich auf der Verlängerung der Wasserachse in Höhe des Cafés der Konditoreninnung. Hier strahlten acht Scheinwerfer mit 1.000 W Glühbirnen und acht Gleichstrombogenlampen mit Hilfe einer Farbwechselvorrichtung, die über den Scheinwerfern rote, blaue, gelbe und grüne Farbfilter rotieren ließ. 10 Sie bildete mit ihren bis zu 45 m hohen Wasserstrahlen den leicht erhöhten Abschluss der Wasserspiele an der 190 m langen und 20 m breiten Wasserachse, dem Hauptgliederungselement der Gartenanlage. Aus 320 sechs Meter hohen Wasserstrahlen beidseitig der Längsseite entstanden 12 Meter breite Wasserbögen, 11 die von 496 weißen und farbigen Autoscheinwerfern angestrahlten wurden. 12 Durch die drei Pumpen wurden etwa 30.000 l Wasser pro Minute durch die Luft bewegt. 13 Die Wasserspiele, die „nachts in märchenhaften Lichtfarben aufleuchte[te]n“ 14 , waren eine der Hauptattraktionen der Gartenausstellung, blieben aber – zumindest während der ersten Wochen – trotz ihrer Anziehungskraft den größten Teil des Tages ausgeschaltet. 15 Strahlten die Scheinwerfer aber in der Dunkelheit, umrahmte eine von 1.000 winzigen Leuchtkörpern angeleuchteten Hainbuchhecke die Wasserachse. 16 So ergab sich ein dramatischer Effekt: Die Hecke wurde zur virtuellen Mauer und mit Hilfe des dunklen Nachthimmels wurde das Wasserbecken in einen festliche beleuchteten Innenraum gesetzt. 17

A591 Ein Bild aus Wasserstrahlen, Zeichnung W. v. Wecus Q StAD NL Emundts 10
A591 Ein Bild aus Wasserstrahlen, Zeichnung W. v. Wecus Q StAD NL Emundts 10

Licht spielte auch durch die außergewöhnliche Form der im Gartengelände befindlichen Lampen eine wichtige Rolle. Die dort aufgestellten Laternen dienten zur Beleuchtung der Wege bei einsetzender Dunkelheit. Um aber zu keiner Zeit den Blick über die weiten Flächen der Gartenschau zu behindern, waren sie nur etwa einen Meter hoch. Zudem hatte man bei den Bänken in der Gartenschau auf die Lehnen verzichtet, um den freien Blick auf die meist noch niedrige Bepflanzung nicht zu behindern. Insgesamt konnte man auf dem Gelände 500 Beleuchtungskörper auf Kandelabern finden, was nur einen kleinen Teil der 10.000 Lichter und Lampen ausmachte, die die Ausstellung bei Dunkelheit erhellten. 18 Weitere Leuchtkörper befanden sich in den Pergolen. 19 Licht spielte auch an den verschiedenen Gebäuden eine große Rolle: Das Gartenhaus war von zwei Strängen Leuchtrohr an der Decke beleuchtet, dessen vier Eingänge durch weitere Strahler, der Ratskeller durch 250 Leuchtkörpern, das Hauptrestaurant von 64 unsichtbaren 500-Watt Leuchtern angestrahlt, der Tanzring durch 40 kleine Kandelaber mit je zwei sechseckigen Laternen. 20 Auch die Hallen wurden nachts durch die verschiedensten Lichteffekte erhellt, die Rückseite des alten Akademiegebäudes erstrahlte gar „schlossartig“. 21

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1. StAD xviii 1707, Maiwald in einer Rede am 25.9.1936

2. Becker oblag nicht nur die künstlerische Gestaltung der Freifläche, sondern er baute ebenfalls das Konditorencafé, die runde Pflanzenhalle, die Bauten am Konzertplatz und am Wassergarten, die Pergola am Irisgarten und den Laubengang im Rosengarten; Tapp 1939:111
3. Hartdegen 1939:50
4. R.W. (Das Werk) 1937:286
5. Meyer 1939:90
6. Hartdegen 1939:50
7. Ernst 1937:130
8. Klein 1937 FAZ 5.5.37
9. S (Der Anschluß):107
10. Ernst 1937:130
11. Ernst 1937:131
12. HuG-24, o.S.
13. Klein 1937 FAZ 5.5.37
14. J.P. (Bau und Wirtschaft):171
15. RWZ vom 15.5.1937
16. Klein 1937, FAZ 5.5.37
17. Wecus 1937 (b)
18. HuG-24, o.S.
19. Ernst 1937:131
20. Klein 1937 FAZ 5.5.37
21. Ernst 1937:130

 

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