Ausstellungsleitung, Stadtverwaltung, Politiker

Ausstellungsleitung, Stadtverwaltung, Politiker

EBEL, Horst (Stadtrat)
* 5.5.1905 in Allenstein, trat 1922 in den Dienst der Düsseldorfer Stadtverwaltung ein, studierte 9 Semester an der Niederrheinischen Verwaltungsakademie, seit 1929 war er aktiv in der NSDAP tätig; 1931 berief Gauleiter Florian ihn als Fachberater für Kommunalpolitik in die Gauleitung; 1933 wurde der 28jährige von Wagenführ zum Hilfsdezernenten ernannt; am 23.5.1934 in den Kulturausschuss des Deutschen Gemeindetages berufen; am 21.12.1935 zum Stadtrat ernannt; 1933-1938 Leiter des Amtes für kulturelle Angelegenheiten; bald nach der Ausstellung ‚Schaffendes Volk‘ musste er seine Position als Kulturdezernent verlassen, da er hier völlig versagt hatte, anstelle des Kulturamtes erhielt er das Werbe- und Schulamt, die Marktverwaltung und den Schlacht- und Viehhof als Dezernat zugeteilt. Q: Görgen 1967; Alberg 1987; VP 21.4.1933

FLORIAN, Friedrich Karl (Gauleiter)
* 4.2.1894 in Essen,   24.10 1975, verbrachte seine Jugend in Ostpreußen, wo er das Realgymnasium besuchte, kehrte 1912 in das Ruhrgebiet zurück, um hier für die Königl.-Preußische Oberinspektion in Buer/Westf. zu arbeiten, ging 1914 erneut nach Ostpreußen, um sich als Kriegsfreiwilliger zu melden; bis 1916 diente er als Infanterist, um dann in die Jagdfliegerei zu wechseln; 1918 wurde er abgeschossen und geriet in britische Gefangenschaft, aus der er 1919 entlassen wurde; nach seiner Rückkehr nach Buer reagierte er auf die geänderten Verhältnisse mit wachsendem politischen Interesse und trat 1925 in die NSDAP ein, dessen Ortsgruppenleiter in Buer er wurde; am 1.10.1929 wurde er von Strasser zum Gauleiter von Düsseldorf ernannt, welcher er bis zum Kriegsende blieb; 1935 Berufung an die Akademie für Deutsches Recht. Florian 1938: “Eine der Hauptquellen (des Unheils auf der Welt) ist das Judentum. Die Aktion gegen die Juden bedeutet eine große Säuberungsaktion, um alles Schlechte auszumerzen. Es geht nicht nur darum, den Einfluss der Juden zurückzudämmen, nein, wir haben A gesagt und wir werden auch B sagen. Es kommt der Tag, da wird in Deutschland kein Jude mehr sein. Wer von Mitleid faselt, der verdient nichts als Ungeziefer.” Kurz vor Kriegsende forderte er die Bevölkerung auf, mit dem Dritten Reich und ihrer Stadt Düsseldorf unterzugehen; nach seiner Festnahme kurz nach Kriegende versuchte er durch die Einnahme von Tabletten Selbstmord zu begehen, in Göttingen 2. Selbsttötungsversuch durch Fenstersturz; 1948 wurde er in einem Prozess um die Hinrichtung von Widerstandskämpfern, die kurz vor Kriegsende zur Aufgabe und Übergabe der Stadt an die Siegermächte aufgerufen hatten, vom Vorwurf des Mordes und des Verbrechens gegen die Menschlichkeit freigesprochen (!), 1949 wurde er wegen Zugehörigkeit zum pol. Führungscorps der NSDAP und verbrecherischer Verwendung dieser Organisation zu einer Gefängnisstrafe von 6 Jahren und einer Geldstrafe von 20.000 DM verurteilt. 2 Jahre und sechs Monate der Internierungshaft wurden auf seine Haftzeit angerechnet. Sein Haus in der ehemaligen Schlageterstadt konnte Florian nach Kriegsende für eine halbe Million Mark an die Dresdener Bank verkaufen.
LITERATUR: StAD XXII F 30; HStAD Reg. Düsseldorf RWN 54, RLZ 19.11.1938
GEUTEBRÜCK, Richard W. Leiter der Abteilung Presse und Propaganda
Lebensdaten unbekannt

GÖRING, Hermann (Schirmherr der Ausstellung)
* 12.1.1893 in Rosenheim,   15.10.1946 in Nürnberg; Preußischer Ministerpräsident und Innenminister; schließt sich 1922 der NSDAP an und übernimmt Führung der SA; am 11.4.1933 Ernennung zum preuß. Ministerpräsidenten, seit 1936 als Beauftragter für den Vierjahresplan verantwortlich für die wirtschaftliche Seite der Auf-rüstung; neben zahlreichen weiteren Aufgaben und Amtern wird er am 1.9.1939 von Hitler zu dessen Stellvertreter berufen; Göring war einer der Hauptverantwortlichen für den Einsatz von ausländischen Arbeitskräften zur Zwangsarbeit und für die Maßnahmen zur Vernichtung der Juden; in den Nürnberger Prozessen zum Tode durch Strang verurteilt, dem er durch Selbstmord zuvorkam.

GRETSCH, Hermann (Liquidator des Deutschen Werkbundes)
Lebensdaten unbekannt; erfolgreicher Stuttgarter Industriedesigner, studierte Architektur bei Bonatz und Schmitthenner, seit 1925 Mg DWB und seit 1.5.1933 Mg NSDAP; wurde im Herbst 1931 in den DWB-Vorstand nachgewählt; zwei Monate nach dessen Antrag Juli 1935 zum neuen Vorsitzenden des Werkbundes ernannt, wo er die Geschäfte des Bundes bis zum 26. Januar 1938 weiterführte, dem Tag, an dem der Präsident der Reichskammer der bildenden Künste dem DWB mitteilte, dass „die Einrichtung eines besonderen Vereins zum Zwecke der Veredelung der gestaltenden Arbeit in zusammenwirken von Kunsthandwerk und Industrie sich … als überflüssig erwiesen hat“; Gretsch wurde zum Liquidator bestellt.
LITERATUR: Weissler 1993

HARTDEGEN, Karl (Architekt, Mitglied der Ausstellungsleitung)
hatte als Chefarchitekt und künstl. Leiter der Abteilung ‚Kleidung am Sonntag‘ auf der Ausstellung ‚Menschen am Sonntag‘, Düsseldorf 1933, bereits Erfahrungen im Ausstellungswesen gesammelt.

LANGEN, Gustav (Leiter der Abteilung Deutscher Lebensraum)
Leiter und Gründer des deutschen Archivs für Siedlungswesen

LIEDERLEY, Otto (Oberbürgermeister)
* 16.5.1899 in Guben, Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf (4.1937-11.1937), Bankkaufmann, seit 1931 Mitglied der NSDAP, seit 1933 Generaldirektor der Rheinischen Bahngesellschaft

LÖRCHER, Carl Christoph (Vorsitzender des Deutschen Werkbundes)
* 1884; Architekt und Siedlungsexperte, 1923/24 in Jugoslawien und Türkei, Prototyp des Parteibucharchitekten. Als alter SA-Mann übernahm er 1933 die Leitung der Reichsstelle für Raumordnung beim Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft, die jedoch schon 1934 wieder aufgelöst wurde. Im Juni 1933 wurde Lörcher 1. Vorsitzender des DWB sowie nach dem 11.11.1933 – als Nachfolger des zum Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste aufgerückten Eugen Hönig – Präsident und – 1935 – Liquidator des BDA. Verschiedene Siedlungsbauten des außerdem mit einer Professur für Bau- und Siedlungswesen an den Vereinigten Staatsschulen Berlin beauftragten ehemaligen KDAI-Funktionärs verraten das intensive Bemühen, traditionelle bäuerliche Formen wieder zu beleben;
LITERATTUR: Teut S. 87 9.2.1934; Gutschow 183

MAIWALD, Ernst W. (Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Ausstellungsvereins)
Lebensdaten unbekannt; stellv. Reichskommissar, gelernter Kaufmann,diente im Ersten Weltkrieg, holte nach dem 1. Weltkrieg sein Abitur nach und begann ein Studium der Volkswirtschaft und des Staatsrechts, welches er 1921 mit einer Promotion abschloss, bis 1920 hatte er die Leitung des Deutschen Auslandsinstituts in Stuttgart inne, 1924-1927 hielt er sich in den USA, Kanada und Mexiko auf, übernahm dann die Abteilung Auslands- und internationale Fragen beim Ausstellungs- und Messeamt, bei welchem er zwischen 1928 und 1931 mit längerer Unterbrechung tätig war. 1929 wurde er von I.G. Farben verpflichtet und leitete die deutsche Abteilung auf der Weltausstellung in Barcelona, 1933 war er Vertrauensmann der Deutschen Wirtschaft auf der Ausstellung ‚Deutsches Volk – Deutsche Arbeit‘ in Berlin, die er mit vorbereitet hatte, auch an der Organisation anderer Ausstellungen war er beteiligt, so leitete er die Vorbereitung für die Teilnahme Deutschlands an der Brüsseler Weltausstellung, die Deutschland mangels Devisen absagen musste sowie der Internationalen Verkehrsausstellung in Köln (hier als Reichskommissar), die wegen des Krieges entfiel. Weitere Ausstellungen, an denen Maiwald mitwirkte, fanden in Utrecht, Posen und Zagreb statt. 1953 ‚Alle sollen besser leben‘ in Düsseldorf. Quelle: StAD NL Ebel 123, StAD xviii 1869,StAD NL Emundts 38

MEYER, Robert (Stadtrat)
Lebensdaten unbekannt; Leiter des Architekturbüros auf der Ausstellung

POENSGEN, Carl Albert Ernst (Generaldirektor der Vereinigten Stahlwerke AG)
* 18.9.1871 in Düsseldorf, Initiator der Gesolei und Ehrenvorsitzender der Reichsausstellung ‚Schaffendes Volk‘

RIEMANN, Karl (Stadtbaurat)
* 24.9.1886,   29.10.1966, Mg DJ (schied im November 1945 aus dessen Vorstand aus)

SCHMALHORST, Leopold (Siedlungskommissar)
* 14.1.1886 in Herford i. Westf., war bereits vor dem 1.4.1933 Mg der NSDAP, leitete auf Vorschlag von Gauleiter Florian seit 1931 das Wohnungs- und Siedlungsamt bei der Regierung Düsseldorf, davon mehrere Jahre ehrenamtlich, (n.e.A. wurde er 1938 von Gauleiter Florian vom Amt des Gauamtsleiters enthoben), am 11.4.1933 zum Siedlungskommissar für den Bereich Düsseldorf ernannt, seit 1942 hauptamtlich, 1943-1945 war er Gauwohnungskommissar; nach dem Kriege bemühte er sich um eine Fortsetzung seiner Tätigkeit für die Düsseldorfer Regierung, indem er seine großen Erfahrungen und Kenntnisse anpries, wurde aber aufgrund seiner Vergangenheit und seines Verhaltens als „anmassender und taktloser selbstbewusster Nationalsozialist“ von jeglichem öffentlichen Amt ausgeschlossen.
BAUTEN: Wohnhausbauten Henriettenstraße, Düsseldorf • Eckhaus Kaiserswerther- Cleverstr, Düsseldorf. Q: Huneke 1928; Alberg 1987, S. 12; HStAD Personalakte Schmalhorst

SCHMID, Carl Christian (Regierungspräsident)
1919-1928 Bürgermeister der Stadt Düsseldorf; war angeblich alles andere als ein fanatischer Nationalsozialist, was sich in einer verhältnismäßig moderaten Haltung ausdrückte; zudem war er mit einer Jüdin verheiratet. Q: Görgen 1968

WAGENFÜHR, Hans (Oberbürgermeister)
* 2.9.1886 in Helmstedt,   1944, studierte in Jena und München Rechtswissenschaften, 1909 Referendars-, 1914 Assessorenexamen, nahm am Ersten Weltkrieg teil, dann zunächst Hilfsrichter in Magdeburg; 1920 kam er nach Düsseldorf, hier zunächst als Syndikus tätig, 1923 im Reichsfinanzdienst, trat am 1.10.1931 in die NSDAP ein und wurde am 12.4.1933 zunächst kommissarischer OB; am 20.4.1937 verlor er das Amt des Oberbürgermeisters aufgrund seiner Verwicklung in den Düsseldorfer Esch-Skandal. Der Oberpräsident der Rheinprovinz hielt ihn für einen Mann, dessen Intelligenz und Qualifikation in umgekehrtem Verhältnis zu den Aufgaben standen, die ein OB der Stadt Düsseldorf zu bewältigen hatte. Q: VP 17.4.1933, Görgen 1968, S. 57

WALTER, Karl (Kreisleiter der NSDAP)
Lebensdaten unbekannt; Dipl. Ing. und Ortsgruppenleiter; einer der ältesten Nationalsozialisten im Gau, Mitglied der SS. Q: Görgen 1968

WALTHER, Ernst (Architekt )
Lebensdaten unbekannt; verantwortlich für die Innenausstattung sämtlicher Siedlungshäuser.

WENDLAND, Winfried (Stellv. Vorsitzender DWB)
* 17.3.1903 in Gröben, Kustos der Vereinigten Werkschulen, seit 1934 stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Werkbundes; Kunstreferent im Preußischen Kulturministerium; Mitarbeit bei der Mailänder Werkbundausstellung und der Kirchenkunstabteilung der Chicagoer Weltausstellung; Initiator der Berliner Ausstellung ‚Deutsches Siedeln und symbolisches Bauen‘, 1934; W. war unmittelbar an der Schließung des Bauhauses beteiligt.
BAUTEN: Friedhofskapelle Stahnsdorf
LITERATUR: Siedlung und Wirtschaft 1934:477; NS-Briefe 8.1929:123ff, 20.1934:335f; Die Form 10.1933; Nerdinger (Hg.) 1993; Weissler 1993

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