Privathaus, Architekt Hans Heinz Lüttgen GS 82

Das Einfamilienhaus auf Grundstück 82, einem weiteren Eckgrundstück mit Blick auf der Rhein, wurde von dem in Düsseldorf geborenen und in Köln praktizierenden Architekten, Maler und Designer Hans Heinz Lüttgen konstruiert. Lüttgen hatte in den 20er Jahren zum Freundeskreis der Kölner Progressiven gehört und war durch ausgesprochen moderne Bauten vor allem in Köln und Wuppertal aufgefallen, 1 was seine Teilnahme am Kreise der Siedlungsarchitekten zunächst verwunderlich erscheinen lässt. Seit 1933 hatte er jedoch – wie viele andere Künstler und Architekten unter dem Druck der Nazis – eine Richtungsänderung vorgenommen und sich der konservativeren Bauweise zugekehrt. Dies scheint so überzeugend gelungen zu sein, dass er sogar im Rahmen der nationalsozialistischen Ausstellung arbeiten durfte. Das Haus für den Kunstmaler Werner Hentzen zeichnete sich nicht nur durch die Größe des Grundstücks aus – mit 950 qm war es bei weitem das größte in der Siedlung – sondern vor allem auch durch die Ausmaße des Hauses. Der Grundriss maß allein 210 qm, was Keller, Erdgeschoss, Obergeschoss und Dachboden zusammengenommen, eine bewohnbare Fläche von ca. 570 qm ausmachte. Damit stand es nicht einmal dem luxuriösen Villenbau des Gauleiters nach, dessen Haus nur zwei Grundstücke weiter stand. Das Künstlerhaus bestand aus zwei rechtwinkligen Einheiten, dem eigentlichen Wohnhaus und dem Atelierflügel, die im rechten Winkel, leicht versetzt, aneinandergefügt waren. Zwei der kürzeren Seiten der Hausteile bildeten an der Nordostseite einen Hof, wo sich die Eingangstür befand. Von hier aus betrat man die Eingangsdiele des Wohnhauses, die zu einem Waschraum und einem WC, zur Küche und zu einem großen Wohnraum mit Kaminnische führte. Außerdem befand sich hier die Treppe zum Obergeschoss und zum Keller. Im Erdgeschoss gab es desweiteren ein Speisezimmer und ein Kinderspielzimmer. Im Obergeschoss befanden sich ein Schlafzimmer für den Herrn und ein ebensolches für die Dame, beide durch einen kleinen Vorraum, der zum Badezimmer führte, miteinander verbunden. Desweiteren gab es in dem großzügigen Obergeschoss ein Kinderschlafzimmer, ein Gästezimmer, ein Mädchenzimmer und ein kleines WC mit Ausgussbecken. Der Dachausbau des Seitenflügels beschränkte sich auf eine Galerie über der Garage, der Rest bildete den Luftraum des Ateliers. Die Ausmaße des Hauses erlaubten direkt unter dem Dach einen ebenfalls ausgebauten Dachboden, der Platz für ein Reserve-Hausmädchenzimmer und eine Abstellkammer bot. Das gesamte Gebäude war mit Ausnahme des Ateliers und der Garage unterkellert, was allein eine Kellerfläche von ca. 150 qm ausmachte. Es befanden sich dort ein fast 60 qm großer Vorratsraum, eine Waschküche mit Treppe in der Garten, ein weiterer Raum für Vorräte, das Personalbad mit WC, der Weinkeller, ein Kohlenkeller und der Heizungsraum. Da das Haus in die nordwestliche Ecke des Grundstücks lag, so dass die Längsseite des Atelierflügels direkt an die Straße grenzte, verfügte es zum Rhein hin über eine große Gartenfläche. Der Garten konnte von allen Seiten des Hauses erreicht werden: vom Wohnzimmer aus führten drei große Flügeltüren auf die Veranda, das Kinderzimmer verfügte über eine große Schiebetür zum Garten und auch die auf der Nordostseite liegende Küche hatte eine Tür, die auf das Grundstück führte.

Es sind nicht nur die Villenausmaße und die großbürgerliche Raumaufteilung, die an die frühere Schaffensperiode Lüttgens erinnern. Trotz einiger konservativer Merkmale sind an diesem Haus nicht zu übersehende deutliche Zeichen moderner Architektur, wie große, teilweise übereck laufende Fenster oder eingebaute Möbel. Um so verwunderlicher ist es, dass der Bauplan Lüttgens bzgl. Lage, Umfang und äußerer Gestaltung nicht nur genehmigt wurde, sondern ausdrücklich die Zustimmung Grunds und Emundts erhielt. In seiner Baubeschreibung sprach Lüttgen sogar von einem „roten Pfannendach“, grün gestrichenen Schlagläden und ebensolchen Rinnrohren und Rinnkästen, welche allerdings nicht zur Ausführung kam. Im übrigen ist das Haus aus weiß geschlämmtem Ziegelwerk und in der äußeren Erscheinung den anderen Häusern der Siedlung angepasst.

[weitere Hausbeispiele]


1. Vgl. Mahlberg 1992, S. 9 ff und Hagspiel 1996, 2. Bd., S. 879

 


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