Während des Zweiten Weltkriegs

Der neue Nordpark wurde nach der Schließung der Ausstellung vornehmlich von Besuchern genutzt, die hier Entspannung suchten. Daneben war der Betrieb des NSV-Kindergartens als Erholungsheim 1938 wieder aufgenommen worden. 1 Zwar gab es Versuche, das Gelände erneut für Ausstellungen zu nutzen, doch machte der Krieg diesem Vorhaben ein Ende. So wurde die Produktenschau des Deutschen Siedlerbundes einen Tag nach Kriegsbeginn „aufgrund der inzwischen eingetretenen Verhältnisse“ abgesagt. 2 Trotz des Krieges wurde noch 1940 im Nordpark der Zentraldahliengarten eingerichtet, in dem 25.000 Pflanzen in 2.100 Versionen blühten. 3

Bereits am 18.10.1939 wurde das Pflanzenhaus für die Lagerung von Getreide sichergestellt, 4 wogegen sich die Gartenverwaltung sträubte, da sie das Gebäude selber brauchte, um hier während der Wintermonate Dekorationspflanzen, Dahlienknollen und Sitzbänke unterzustellen. Weil das Gebäude keinen Fußboden besaß und nur wenige Steinplattenwege vor Feuchtigkeit schützten, wurde die Sicherstellung bald wieder rückgängig gemacht. 5 Dennoch zeichneten sich bereits hiermit die ersten Kriegseinflüsse ab.

Der Beginn und Verlauf des Krieges machten die Umsetzung aller Pläne unmöglich; es gab dringlichere Aufgaben. Bereits in den ersten Kriegswochen diente die Neue Kunstakadmie zur Unterbringung von Teilen der Wehrmacht und als Pferdesammeleinrichtung, außerdem wurden auf dem Gelände der Gartenschau und des Ausstellungsgeländes Stäbe einquartiert, Fahrzeuge untergebracht und Exerzierübungen abgehalten. 6 Wie schon im Ersten Weltkrieg wurde auch 1942 damit begonnen, auf den Freiflächen Kartoffeln anzupflanzen, um die Versorgung der Stadtbevölkerung zu verbessern. 7 Im Sommer 1942 kamen sogar die Blumenbeetflächen des ‚unantastbaren‘ Blumenteppichs dazu, die Tapp nicht hatte opfern wollen. 8 Damit standen 14.000 qm für den sogenannten ‚ Kriegsgemüseanbau‘ zur Verfügung. Weitere Flächen wollte auch der Oberbürgermeister nicht hergeben, da er insbesondere in einer Zeit, in welcher die Reisemöglichkeiten stark eingeschränkt waren, den Erholungswert des Nordparks wichtiger einstufte als dessen Nährwert; 9 wer erholt sich schon gern zwischen Kartoffeln?

Auch während des Krieges mussten die wenigen Gebäude, die von der Ausstellung übrig geblieben waren, unterhalten werden. Als feste Bauten waren noch das HJ-Heim vorhanden, das Ortsgruppengebäude (heute Maximilian-Friedrich-Weyhe-Haus), das von der NSV-Ortsgruppe Lohausen, vom SA-Sturmbüro, dem Straßenbauamt und privaten Mietern genutzt wurde, die ebenfalls noch bewohnte Neue Kunstakadmie, das Pflanzenhaus und die neue Gartenhalle von Fritz Becker, weiter das Kakteenhaus sowie das Gefolgschaftshaus, in welchem die Mitarbeiter des Garten- und Friedhofamtes untergebracht waren. 10 Außerdem standen die Kassenhäuser noch, die von der Liegenschaftsverwaltung übernommen wurden und deren Kellerräume zur Aufbewahrung der Ausstellungsakten dienten. 11 Erst nach Kriegsbeginn zogen auch hier Truppenteile ein.

Durch Bombenabwürfe kam es im Nordpark anscheinend nur zu geringfügigem Schaden. Im November 1941 fielen etwa 200 Brandbomben in die Schlagetersiedlung, wodurch fünf Dachstuhl- bzw. Wohnungsbrände ausgelöst wurden. 12 Zudem wurden durch zwei Sprengbomben die Oberleitungen und die Wasserleitung an der Richthofenstraße stark beschädigt. 13 Bei einem Großangriff 1942 wurde die Halle südlich der Rossehalter getroffen (Halle 16), die nach verschiedenen Meldungen entweder stark beschädigt oder nur an der Verkleidung leicht beschädigt wurde. 14 Im August 1943 richtete eine Sprengbombe erneut leichte Schäden an verschiedenen Häusern in der Schlagetersiedlung an. 15 Am 16. September stürzte der Sohn des Gauleiters in der Nähe des Golzheimer Platzes mit einem Flugzeug ab. 16

Als einen Monat nach Kriegsende eine Gruppe von 50 Mann mit den Aufräumungsarbeiten auf dem ehemaligen Ausstellungsgelände begann, traf sie auf ein chaotisches Szenario. Die Kunstakademie und das Gefolgschaftshaus waren noch bewohnt, das gleiche galt für ein Gartenhaus in einem Musterkleingarten. 17 Die Kassenhäuser am Haupteingang bargen größere Mengen „Altmaterial“, namentlich die Akten der Ausstellungsleitung, die teilweise auch auf dem Vorplatz lagen. Die Gebäude im Nordpark befanden sich größtenteils in desolatem Zustand, denn in den letzten Kriegstagen, als Düsseldorf Front wurde, war es zu weiteren Schäden gekommen. Vor allem das Gartenhaus von Becker war durch Artilleriebeschuss stark beschädigt worden. 18 Durch Plünderungen wurde das Werk vollendet. Alle unbewohnten Gebäude, wie z.B. das HJ-Heim und die Gartenhalle, waren ihres Inventars beraubt, da es an anderer Stelle offensichtlich mehr gebraucht wurde. Im zerstörten Düsseldorf wurden Fenster, Türen, Dachziegel, und Böden dringend benötigt und überall entwendet, wo niemand darauf aufpasste.

Von dem HJ-Heim war bald nur noch das Mauerwerk und der Dachstuhl übrig. Die die Wasserleitungen waren herausgerissen, so dass ständig Wasser in das Fundament eindrang. 19 Zunächst wollte die Stadt das HJ-Heim für die Unterbringung mehrerer Familien wieder herrichten, dann entschloss man sich aber zum Abriss und verwertete die so gewonnenen Materialien anderweitig. 20 Den Dachstuhl wollte zunächst der Pfarrer der Heinefeld-Siedlung übernehmen um damit sein zerstörtes Kindergartengebäude zu richten. Schließlich zog der Kindergarten aber in das ebenfalls beschädigte leerstehende NSV-Heim. 21 Das restliche noch vorhandene Material wurde an bedürftige Stellen verteilt.

Auch das Gebäude der Neuen Kunstakadmie war nicht unbeschädigt. Während des Krieges hatte die Wehrmacht einen Beobachtungsturm auf dem Dach errichtet. Jetzt, wo dieser nicht mehr benötigt wurde, machte sich einer der neun noch hier lebenden Bewohner 22 daran, das Holz vom Dach zu entwenden. 23 Im Juni 1947 beschlagnahmte die Besatzungsbehörde den Park einschließlich der Arbeiterunterkünfte, 24 baute Wohnhäuser und Kasernen, Tennisplätze und andere Gebäude, die für eine dauerhafte Stationierung der Befreier notwendig waren. Das zerstörte Dach der Gartenhalle wurde erneuert – wobei die Traufe nicht wie in der ursprünglichen Version leicht über den Grundriss ragte, sondern direkt an die Oberkante der Außenwände anschloss – und für ballspielende Soldaten zum sogenannten „ Ballhaus“ umfunktioniert. 25

Als Erholungsraum für die Düsseldorfer Bevölkerung stand der Nordpark damit nicht mehr zur Verfügung. Erst als die britischen Streitkräfte 1953 zunächst den Bereich der Wasserachse und am 29. November 1958 einen erweiterten Teil des Nordparks sowie den Haupteingang freigaben, 26 wurde wenigstens ein Teil des Geländes wieder dem eigentlichen Zweck zugeführt. Die Stadt bemühte sich weiter um eine gänzliche Räumung des Parks, insbesondere da sie offensichtlich plante, die Bundesgartenschau 1987 hier stattfinden zu lassen. 27 Der Nordpark sollte für die Vorbereitungen dieser Veranstaltung bis 1980 geräumt werden, was allerdings nicht geschah. Bis Ende der neunziger Jahre befanden sich auf einem Teil des ehemaligen Ausstellungsgeländes, zwischen der heutigen Golzheimer Siedlung und der Eingangsstraße, Kasernen der Britischen Truppen.

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1. Vgl. Bauwelt 37.1912:35-36; Bauwelt 20.1913:37; Tamms 1953; Interessant ist in diesem Zusammenhang ebenfalls die Planung für die Düsseldorfer Weltverkehrszentrale, die in Form eines ‚ersten europäischen Wolkenkratzers‘ durch einem 120 m hohen Turm sowie einen auf dem Dach befindlichen Flugplatz auffiel, vgl. Berliner Illustrierte Zeitung 44.1919:447
2. StAD iv 18675, Protokoll vom 2.9.1939
3. DBZ 1937 (e), K133
4. StAD iv 18675, o.D.
5. StAD iv 18675, Brief vom 20.10.1939
6. StAD xxiii 547, Kriegschronik Gartenamt für Sept.-Dez 1939
7. StAD iv 18675, Brief des OB vom 6.7.1942
8. StAD iv 18675, Bericht von Tapp vom 25.3.1942
9. StAD iv 18675, Brief vom 6.7.1942
10. StAD iv 18675, Bericht vom 7.11.1939
11. StAD iv 18675, Protokoll vom 7.11.1939
12. StAD xxiii 575
13. StAD iv 18675, Bericht vom 1.9.1942
14. StAD xxiii 547
15. StAD xxiii 577
16. StAD xxiii 578
17. StAD iv 18675, Bericht vom 13.6.1945
18. StAD iv 18675
19. StAD iv 18675
20. StAD iv 18675
21. StAD iv 18675, Bericht vom 4.10.1945
22. Es handelte sich um den Hausmeister und 8 KünstlerInnen, StAD iv 18675, Bericht vom 13.6.1945
23. StAD iv 18675, o.D.
24. StAD iv 18675
25. Lange 1993:19
26. Messe intern 1.1997:8
27. StAD Geschichtskartei

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