Musterhaus Grundstück 86

Das Musterhaus auf Grundstück 86 wurde von der Architektengemeinschaft E. Petersen & W. Köngeter in Fachwerkbauweise geplant. 1 Es lag auf der Westseite des Angers genau im Winkel, der von der Straße 4 und dem Platz gebildet wurde. Im Gegensatz zu den meisten anderen Häusern der Siedlung lag die Eingangstür nicht auf der Straßenseite, sondern zum Garten, wodurch sie gleichzeitig die Verbindung der Küche mit dem Nutzgarten darstellte. Im Erdgeschoss des Hauses gab es eine Garderobe und ein WC, einen Abstellraum für Fahrräder u.ä., ein Arbeitszimmer auf der Nordseite, ein Esszimmer auf der Südseite und dazwischen die Küche. Den größten Raum, der zum Garten lag und als Wohnzimmer diente, betrat man über den Flur oder durch eine Flügeltüre über das Esszimmer, von welchem aus man ebenfalls den Sitzplatz im Garten erreichte. Dieser lag zwar direkt an der zum Anger hin zeigenden Grundstücksgrenze, war aber durch eine Pergola vor fremden Blicken geschützt. Im ausgebauten Dachgeschoss befanden sich außer dem Bad und einer geräumigen Diele auch die Schlafräume: das Elternschlafzimmer, ein Zweibettkinderzimmer und ein Zimmer für ein Kind. Das Haus war ganz unterkellert und bot dort Platz für eine Waschküche, einen Trockenraum, einen Luftschutzkeller, der gleichzeitig als Vorratskeller genutzt werden konnte und einen Kohlen- und Heizungskeller mit einem Schacht für die Kohlenlieferung obwohl das Haus eigentlich als Vollgashaus konzipiert war. Das Haus war nach dem Möblierungsplan der Architekten folgendermaßen eingerichtet: Im Hauptraum des Erdgeschosses, dem Wohnzimmer, gab es eine Sitzgruppe und ein dreisitziges Sofa um einen kleinen Tisch, einen Konzertflügel, ein großes Bücherregal und ein Nähschränkchen. Auch das Esszimmer verfügte nur über eine recht reduzierte Möblierung. Hier standen eine Eckbank und drei Stühle um einen Tisch, es gab einen Schrank und einen Serviertisch. In dem Vorratsraum der Küche befand sich ein gasbetriebener Kühlschrank und ein Regal für weitere Vorräte. Die Küche selber nahm eine Doppelspüle, zwei Schränke und einen Arbeitstisch auf. Im Arbeitszimmer befanden sich neben den Bücherregalen ein Schreibtisch mit Sessel. Im Abstellraum wurden Fahrräder, Kinderwagen und Werkzeuge untergebracht, in der Garderobe gab es eine Kleiderablage und ein Spiegeltischchen. Auf dem Sitzplatz im Garten standen ein Tisch und zwei Sitzbänke. In der Diele im Obergeschoss gab es einen großen Einbauschrank, genauso wie im Elternschlafzimmer und in einem der Kinderzimmer. Neben dem Doppelbett im Schlafraum der Eltern stand auf jeder Seite eine Nachttischkonsole. Ein Sessel, Frisierschrank und Garderobenhaken vervollständigten die Einrichtung. In dem Einzelkinderzimmer befanden sich der einzige nichteingebaute Schrank des Obergeschosses, ein Tisch mit zwei Stühlen, ein Kinderbett und ein Spielzeugregal. In dem anderen Kinderzimmer standen zwei Jugendbetten und ebenfalls ein Tisch und zwei Stühle. Außer dem Einbauschrank bot noch eine Reihe von Kleiderhaken Möglichkeiten zur Unterbringung von Kleidung. Im Keller gab es Wein- und Obstregale und eine Kartoffelkiste im Luftschutzraum, der Heizungskeller bot Platz für die Aufnahme von Kohlen und im Waschkeller standen zwei Bottiche für die Wäsche, sowie ein Waschkessel. Obwohl das Haus zu einer der hohen Preiskategorien gehörte, und obwohl Flügel und Weinkeller vorahnden waren, gab es keine Waschmaschine. Die Frau hatte hier noch alles mit der Hand zu erledigen. Lediglich eine Wringmaschine stand ihr zur Verfügung. Der von Seifert entworfene, etwa 470 qm große Garten gliederte sich in einen Nutzgarten, der an der Mauer zur Straße lag und über Gemüsebeete, Johannisbeersträucher, ein Wasserfass und einen Komposthaufen verfügte und in einen Ziergarten, der die größte Fläche einnahm. Eine Hainbuchhecke trennte die beiden Gärten voneinander, genauso wie sie das Grundstück zum Nachbargrundstück hin abgrenzte. Im Ziergarten standen außer diversen Staudenpflanzen auch vier Birnbäume.

[weitere Hausbeispiele]


1. StAD xviii 1791

 


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