Die Dokumentation der Ausstellung

In der äußerst extensiven Berichterstattung über die Ausstellung – es gibt kaum eine nationale Zeitung oder Zeitschrift, die nicht wenigstens einen kurzen Artikel veröffentlichte – finden sich nur wenige kritische Aussagen. Dies sprach weniger für die ausgezeichneten Qualität der Ausstellung, als vielmehr an der erfolgreichen Gleichschaltung der Presse, die 1937 eine objektive Berichterstattung in der deutschen Medienlandschaft nicht zuließ. Die wenigen Autoren, die sich die Mühe machten, nicht allein das offizielle Pressematerial der Propagandaabteilung zu kopieren, beschränkten sich meist auf die unkritische Betonung der herausragenden Leistungen. Selten gelang es einem Journalisten, offensichtliche Mängel der Ausstellung zu benennen. Diese Kritik ist zudem meistens nur zwischen den Zeilen zu entdecken. Einige wenige Autoren besaßen allerdings auch den Mut, mehr oder weniger offen auszusprechen, was ihnen missfiel. Anlass zu Kritik bot ihnen vor allem die Aufteilung des Ausstellungsgeländes und teilweise die Architektur sowohl der Hallen als auch der Siedlungshäuser.

Die ausländische Presse setzte sich nicht sehr intensiv mit dem Gesamtkonzept der Ausstellung auseinander. Sie interessierte sich im wesentlichen für die Entwicklung der neuen Kunststoffe. Eine Ausnahme bildet das schweizerische Werkbundorgan ‚Das Werk‘, welches Architekten zu Wort kommen ließ, die sich im Zusammenhang mit Planungen für eine schweizerische Ausstellung in Düsseldorf aufhielten, um Ideen und Anregungen zu erhalten. Einer der Architekten kritisierte vor allem die bereits erwähnte heterogene Aufteilung des Geländes. Außerdem bemängelt er den Umfang der Ausstellung, der nur teilweise eine konzentrierte und prägnante Präsentation erlaubte. Man plante daher für die Züricher Landesausstellung „Eines Volkes Sein und Schaffen“, 1 die – ein Blick in den Katalog beweist es – nicht nur im Namen offensichtliche Gemeinsamkeiten mit der Düsseldorfer Ausstellung aufwies, die in Düsseldorf aufgetretenen Mängel zu vermeiden.

Zur Popularität der Ausstellung ‚Schaffendes Volk‘ trug sicherlich die Nutzung von Rundfunk und Fernsehen bei, zwei Medien, die damals noch in den Kinderschuhen steckten und daher ganz besonders das Interesse auf sich zogen. Allein 63 Berichte über die Ausstellung erreichten die deutschen Haushalte über Radiowellen und auch das Fernsehen sendete mehrmals Bilder von der Ausstellung. Die Medienpräsenz wurde noch durch insgesamt 234 Tagungen mit ihren 215.000 Teilnehmern gesteigert, die das Interesse der Presse weiter auf die Ausstellung konzentrierten. 2

Auch fotografisch ist die Ausstellung äußerst umfangreich dokumentiert worden. Dies gilt einerseits für die zahlreichen Fachzeitschriften, die teilweise ein sehr genaues Bild der Architektur, der Hallenschau, des Gartengeländes und der Gesamtaufteilung gaben. Aber auch die Fotosammlung der Ausstellungsleitung, die insbesondere bekannte Düsseldorfer Fotografen wie Oskar und Julius Söhn oder Oskar und Dolf Siebert beauftragt hatte, dokumentiert die Ausstellung umfassend. Ausnahme bleiben jene Punkte, die schon vor der Ausstellungseröffnung Probleme bereitet hatten: Von den Skulpturen – mit Ausnahme der Rossehalter, die an der Fahnenstraße einfach auf zu exponierter Position standen und der ‚Schönen‘ im Rosengarten – befinden sich in den Archiven nur vereinzelt Aufnahme der Plastiken.

A803 Das Abteil der IG-Farben in der Halle Textil, Foto Renger, Essen Q StAD 005.166.031
A803 Das Abteil der IG-Farben in der Halle Textil, Foto Renger, Essen Q StAD 005.166.031

Prominentester Fotograf war sicherlich der an der Essener Folkwang-Schule lehrende Albert Renger-Patzsch, 3 der den Ausstellungsstand der Firma IG Farben fotografisch dokumentierte. Ein weiterer bekannter Fotograf war der Wahlkölner Hugo Schmölz, 4 der sich seit Jahren durch neusachliche Architekturfotografie einen Namen gemacht hatte. Er dokumentierte die Ausstellung u.a. für die Zeitschrift ‚Moderne Bauformen‘, die neben einem Überblick über die Gesamtschau vor allem die Schlagetersiedlung behandelte. 5

1939 erschien ein Werk, das in zwei Bänden Inhalt und Aussehen der Ausstellung umfassend, wenn auch unkritisch beschrieb. Dieser von Ernst W. Maiwald edierte Rechenschaftsbericht erschien in einer Auflage von 1.000 Stück und war für 8,50 RM zu erwerben. 6 Während der erste Teil mit reicher Bebilderung und einigen Aufsätzen zu den einzelnen Teilgebieten der Ausstellung ein rein positives Resumee bot, zeigte zumindest der zweite Band, der die organisatorischen Probleme u.a. in versorgungstechnischen, juristischen und propagandistischen Fragen darlegte, Schwierigkeiten und ansatzweise Selbstkritik auf. Alle Beiträge waren von maßgeblich an der Verwirklichung der Ausstellung teilhabenden Personen geschrieben worden. Emundts hatte für zehn Reichsmark pro Seite über die Schlageterstadt geschrieben, 7 Tapp über die Entstehung der Gärten und Stadtrat Meyer über die bautechnische Leitung. Insbesondere der Bericht über die Pressearbeit und die Propagandamaßnahmen von Richard Geutebrück spricht deutlich die Sprache eines engagierten Fachmannes, dem es weniger um Ideologisierung als vielmehr um sachliche Kompetenz geht. Zusammen mit der ausführlichen Berichterstattung in den Pressemedien ergibt sich daher ein recht detailliertes Bild vieler Bereiche der Ausstellung.

[→ weiter]


1. Vgl. Duttweiler 1939
2. Wenzel 1939:85f; Görgen 1968:157
3. Albert Renger-Patzsch, * 22.6.1897 in Würzburg, 27.9.1966 in Wamel/Möhnesee
4. Hugo Schmölz, * 21.1.1879 in Sonthofen, 27.4.1938 in Köln
5. Mißelbeck 1995:94
6. StAD NL Ebel 124, Bericht vom 16.12.1937
7. Zunächst hatte man als Ersatz für den ausgeschiedenen Peter Grund Karl Riemann vorgesehen, StAD xviii 1704, o.D.

773 Seit 23.2.2016 3 heute