Düsseldorfer Stadtplanung im Nationalsozialismus

Das geplante Schlageter-Forum und das Ausstellungsgelände waren nur ein kleiner Teil eines großen städtebaulichen Projektes, das Ende der dreißiger Jahre den radikalen Ausbau Düsseldorfs zur Gauhauptstadt vorsah. Seit 1933 waren einige städtische Großprojekte entstanden bzw. fertiggestellt worden, so das Landesfinanzamt (1938), die Jugendherberge Oberkassel (1936), das Eisstadion an der Brehmstraße (1935), der neue Hauptbahnhof (1937), die Volksschule in Wersten und die Heideschule in der Golzheimer Siedlung (1936), ein Getreidespeicher (1935), ein neuer Großmarkt (1936) sowie der Durchbruch an der Bolkerstraße (1935) zur Auflockerung der Altstadt. 1 Wirklich „monumentale Ambitionen“ 2 stellten sich aber erst im Ausstellungsjahr ein: Nach der Ausstellung wollte man an die Errichtung verschiedener „unbedingt notwendiger“ Großbauten herangehen. 3 Eine Aufstellung von Ausgaben für „Bau- und sonstige Aufgaben ohne Hafen und Stadtwerke“ aus dem Jahre 1937 sah für die nächsten 10 Jahre einen Etat von über 120.000.000 RM vor, der für die Aufräumung des Ausstellungsgeländes (1.960.000 RM) und dessen endgültige Gestaltung incl. Flughafenausbau (5.000.000 RM bis 1940), den Wohnungsbau (40.000.000 RM bis 1940), eine neue Hauptkläranlage jenseits des Rheins 4 (22.000.000 RM), das immer noch projektierte Schlageterforum mit Aufmarschgelände (2.750.000 RM), einen Neubau für die städtischen Museen (4.000.000 RM), für die Tonhalle (3.000.000 RM), ein Opernhaus 5 (8.000.000 RM), eine dringend benötigte Kongresshalle 6 (9.000.000 RM) und den lang ersehnten Rathausneubau (18.000.000 RM) sowie einige ‚kleinere‘ Projekte wie etwa ein Konservatorium, verschiedene Sportanlagen, die Benrather Kapelle, eine Schule usw. zur Verfügung stellte. 7

Da die finanzielle Belastbarkeit der Kommune begrenzt war, blieb es im wesentlichen bei Planungen und Diskussionen darüber, welches der Projekte vordringlich in Angriff genommen werden sollte. Noch 1938 erörterten die Düsseldorfer Ratsherren die Frage, ob man zuerst mit dem Bau des Opernhauses, 8 des neuen Rathauses, der Chirurgischen Klinik oder der Schlageterhalle beginnen solle. Fachleute schätzten, dass allein letztere 18-20 Mio. Reichsmark kosten würde. 9 Die Planungen erlitten einen Rückschlag, als im August desselben Jahres die Bauten mit Rücksicht auf „vordringlichere“ Aufgaben des Staates laut Regierungsbeschluss vorläufig zurückgestellt werden mussten. 10 Zu dieser Zeit arbeitete die Düsseldorfer Stadtverwaltung bereits an einem Generalbebauungsplan, über den allerdings nicht Genaues bekannt ist. 11

Wie umfangreich und teilweise scheinbar unkoordiniert die Umgestaltungsplanungen verliefen, zeigt eine Auflistung der verschiedenen Vorhaben. Schon 1935 hatten Grund und Fahrenkamp mit ihrer erweiterten Stadtplanungsfakultät der Düsseldorfer Kunstakademie Pläne veröffentlicht, am Adolf-Hitler-Platz (heute Graf-Adolf-Platz) den Omnibusbahnhof fortfallen zu lassen und die Fassaden zu vereinheitlichen, um so den Gesamteindruck zu monumentalisieren. Am Südende der Königsallee sollte eine Tonhalle und ein neues Stadttheater mit einem Säulenrundgang entstehen. 12 Diese Tonhalle erscheint 1941 in einem Wettbewerbsaufruf erneut: Standort war ein Gelände zwischen Graf-Adolf-Platz, Hütten- Ader-, Jahn- und Friedrichstraße, also etwa an der Stelle des heutigen LVA-Gebäudes. Hier sollte ein Flachbau entstehen mit einem Kongresssaal für 5.000 Personen, mehrere Konferenzsäle und Sitzungszimmer, eine Konzerthalle für 3.000 Besucher mit Orchesterbühne für 900 Musiker, einem Hauptrestaurant, Luftschutzkeller und Verwaltungsräumen. 13

Die Stadt plante außerdem, den Stoffeler Friedhof stillzulegen, um hinter der Scheidlingsmühle ein großes Freibad mit Restaurant und großer Spielwiese entstehen zu lassen. 14 Für den Düsseldorfer Süden plante man ebenfalls einschneidende Veränderungen. In Benrath sollte die Schlossallee fallen, um den so freiwerdenden, 60 Meter tiefen Raum zur sogenannten ‚Schlossfreiheit‘ umzuwandeln. Am Schloss selber sollte es auch Veränderungen geben: Neben der Öffnung des Parks für das gemeine Volk und zum Feiern von Volks- und Heimatfesten betraf dies vor allem Umgestaltungspläne für die Orangerie und die Gärtnerei. Zwischen Benrath und Urdenbach sollte ein Strandbad für 50-60.000 ‚Volksgenossen‘ angelegt werden! Der Bau zweier Straßen sollte „innerhalb eines Zehnjahresplans sämtliche saisonbedingten Arbeitslosen aufsaugen und restlos beschäftigen“. 15 Eine dieser Straßen war als Rheinuferstraße Düsseldorf-Itter-Benrath-Baumberg-Monheim geplant, die andere, „ungeheuer breite“ Straße sollte von der südlichen Düsseldorfer Innenstadt durch den gesamten Süden bis nach Monheim führen. 16

Das Stadtbauamt und einige Architekten der Düsseldorfer Kunstakademie schienen unabhängig voneinander und konkurrierend an den städtebaulichen Zukunftsbildern zu arbeiten. Um die Arbeit unter einheitlicher parteilicher Führung voranzutreiben, gründete der Gauleiter spätestens im August 1939 eine Gesellschaft, die sich „Düsseldorfer Stadtplanung G.m.b.H.“ nannte und in einem speziell für diesen Zweck erworbenen (50.000 RM) und umgebauten (27.000 RM) Haus auf der Rubenstraße hinter verschlossenen Türen die neuen Pläne entwarf, die Düsseldorf nach den Vorstellungen Florians zu einer repräsentablen Gauhauptstadt machen sollten. 17 Seit der Gauleiter am 7. Juni 1939 zum „Beauftragten des Führers für die städtebauliche Entwicklung Düsseldorfs“ 18 und im November desselben Jahres zum „Beauftragten des Führers für die Neugestaltung Düsseldorfs“ ernannt wurde, drängten die Aufgaben verstärkt. Hitler hatte aber wohl schon vorher besondere städtebauliche Maßnahmen in Düsseldorf angeordnet. 19 In einem Brief an die Gestapo wird der Zweck der Stadtplanungsgesellschaft folgendermaßen beschrieben:

„Leiter dieser Planungsabteilung ist ein gewisser Architekt Graubner. Graubner war bis zu seiner Anstellung Gefreiter in einem Kav. Regt. in Stuttgart und wurde zu diesem Zwecke vom OB Dr. Haid’n [sic!] reklamiert. Nachdem die ersten Reklamation abgelehnt worden war, steckte sich Haid’n [sic!] dann hinter den General Dangelmann, der dann auch die Reklamation des Graubner unter der Begründung, dass er wichtige Aufgaben bei der Stadt Düsseldorf zu erledigen habe, durchsetzte. Graubner bezieht ein Gehalt von monatlich2.000,–RM.?Geschäftsführer dieser Abteilung ist der ehemalige OB Dr. Wagenführ, der ebenfalls reklamiert worden sein soll. W[agenführ] bekommt ausser seiner Pension aus seiner früheren Tätigkeit als Oberbürgermeister noch einen Zuschuß von ungefähr 800,– RM, sodass er ebenfalls ein Einkommen von monatlich 2.000,– RM bezieht. Ausser diesen beiden Personen sind dort noch 5 Architekten mit einem monatlichen Einkommen von je 1.000,– – 1.500,– RM tätig. Diese Düsseldorfer Stadtplanung GmbH. beschäftigt sich mit allen Düsseldorfer Bauprojekten und hat sich die Bezeichnung GmbH. zugelegt zum Zweck der Tarnung, um sich dadurch der Kontrolle der Aufsichtsbehörde(Staat)zuentziehen.?Eines der Haupt- und vordringlichsten Aufgaben ist die Anlegung eine Südparkes. Dieser Park soll einen Flächeninhalt von 3 Millionen 500-tausend Quadratmetern umfassen. Als Gesamtkosten sind 50 Millionen Mark veranschlagt. Diese verteilen sich für aufzukaufende Grundstücke innerhalb dieses Gebietes 14 Millionen, für Kanalbauten 1 Millionen, fürs Gartenbauamt 8 Millionen, die restlichen 16 Millionen 500-tausend Mark sollen sich angeblich auf die neu zu errichtenden Gebäude und sonstigen Anlagen verteilen? Z.B.: werden in diesem Gebiet zwei grosse Seen mit einem großen Strandhaus angelegt, ferner muss der Stoffeler Friedhof und das Fleher-Wasserwerk dort verschwinden. Ausserdem sollen mindestens 200 Häuser abgerissen werden. Die Verlegung des Fleher- Wasserwerks ist allein auf 9 Millionen veranschlagt.
Der neue Platzistnochnichtgenaubestimmt. Als zweiter Plan ist der Neubau des Düsseldorfer Opernhauses zu betrachten, für den 35 Millionen Mark veranschlagt worden sind, und zwar 18 Millionen Mark für den Ankauf der diesem Bau zum Opfer fallenden Grundstücke (Schadowstrasse bis Bleichstrasse, Bleichstrasse, Goltsteinstrasse, Hofgarten und Schadowplatz). Der Neubau ist auf 15 Millionen Mark veranschlagt. Dagegen ist der Plan für einen Neubau des Rathauses vorläufig zurückgestellt worden.“ 20
Die Berufung des ehemalige OB Wagenführ als Geschäftsführer hatte unter der Beamtenschaft große Verbitterung ausgelöst, da seine Verwicklung in den Esch-Skandal noch nicht vergessen war. 21 Die Berufung Graubners als Leiter der Gesellschaft kam keineswegs überraschend, da dieser bereits einige Jahre als Stadtplaner in Düsseldorf tätig war. 22 Daher ist es auch verwunderlich, dass die Gestapo Graubner nicht zu kennen schien. Im achtköpfigen Aufsichtsrat saßen Gauleiter Florian, OB Haidn als stellvertretender Vorsitzender, Kreisleiter Walter, der Fabrikant Karl Zucker, der Regierungspräsident, Stadtkämmerer Füllenbach, der Ratsherr Jacob Ackers und Akademiedirektor Fahrenkamp. 23 Von den fünf Architekten, die neben Graubner an der Umgestaltung Düsseldorfs arbeiteten, ist nur Emil Fahrenkamp namentlich bekannt ist.

A811 Rathausentwurf von Karl Wach Q Lux 1925.401
A811 Rathausentwurf von Karl Wach Q Lux 1925.401

Die Arbeiten waren sehr umfangreich. Über das genaue Ausmaß gab Karl Riemann, ehemaliger Stadtbaurat, nach dem Krieg Auskunft:

„Der beherrschende Gedanke dieser Planung wurde, entsprechend dem Berliner Muster, das Achsenkreuz, d.h. ein System von Verkehrsstraßen, in dem eine Nord-Süd- und eine Ost-West-Straße, möglichst gradlinig [sic!] geführt, im Schwerpunkt der Stadt ihren Schnittpunkt finden. Die Zielpunkte dieser Straßen waren weitgesteckt: nicht eigentliche Städte, sondern Landschaften. […] Der Hofgarten sollte der „Drehscheibe“ des Schnittpunktes geopfert werden. […] Das „Achsenkreuz“ wurde durch Radialen, Ringstraßen und Tangenten ergänzt, deren Führung und Gestaltung mit den städtischen Stellen eingehend beraten wurden, so daß die Bedürfnisse der Stadt und die Wünsche der Planungsstelle in Übereinstimmung gebracht werden konnten. […] Ein neues riesenhafte Opernhaus sollte am Corneliusplatz entstehen, […] ein Tonhallen- und Kongreßgebäude am Graf-Adolf-Platz […] das Rathaus am Rhein an alter Stelle in Verbindung mit einem dem alten Schloßturm angelehnten Altstadt-Hotel, Museum, Erweiterung der Kunstakademie und ein Gauleitergebäude im Rheinpark, dessen dominierender Turm nach dem Willen des Gauleiters einige hundert Meter hoch werden sollte.“ 24

Die Planungen verliefen zwar hinter verschlossenen Türen, aber zumindest war es gelungen, städtische und parteiliche Planungen zusammenzufassen, sogar die Düsseldorfer Kunstakademie war in diesen Prozess integriert, da Fahrenkamp Mitglied der Stadtplanungsgesellschaft war. Der Öffentlichkeit war allerdings nichts bekannt von den eifrigen Vorhaben. Erst im März 1945 wurde den Düsseldorfern mit wenigen Worten mitgeteilt, dass Düsseldorf nach dem ‚Endsieg‘ schöner wieder aufgebaut werden solle, als es je war. 25 Wenn auch alle zuständigen Stellen in den Entscheidungsprozess einbezogen waren, so kam es dennoch teilweise zu absurden Situationen. So fragte der Ratsherr Wenzel während einer Ratsherrensitzung im Sommer 1939 an, was es mit dem Neubau des Rathauses auf sich habe. Auswärtige Zeitungen hätten bereits über das Projekt berichtet, während den Düsseldorfer Ratsherren nichts bekannt sei (!). Als Antwort erhielt er lediglich, dass der Oberbürgemeister dieses Thema bereits hatte ansprechen wollen, die Kreisleitung der Partei dies aber nicht wünsche. 26

A816 Das Düsseldorfer Stadtgebiet mit den dunkel hervorgehobenen geplanten Bauten für Partei und Wirtschaft Q Archiv KAD, Personenverzeichnis Heyne
A816 Das Düsseldorfer Stadtgebiet mit den dunkel hervorgehobenen geplanten Bauten für Partei und Wirtschaft Q Archiv KAD, Personenverzeichnis Heyne

Auch wenn das Stadtplanungsamt umfassend von den Planungen unterrichtet war – es hatte alle personellen Kräfte in den Dienst der ‚Stadtplanung G.m.b.H.‘ zu stellen 27 und stellte u.a. auch seine planerischen Vorarbeiten zur Verfügung – kam es zeitweise zu Meinungsverschiedenheiten. Ein wesentlicher Streitpunkt war das Achsenkreuz und die damit verbundene Zerschneidung des Hofgartens, den die Nazis opfern wollten, während das Stadtbauamt eine Zerstörung des 150 Jahre alten Parks kategorisch ablehnte. Spätestens hier musste Riemann bemerken, dass die, wie er fälschlicherweise meinte, vom „Führer des Reiches eingeleitete friedliche [!] Entwicklung“ sich nicht wie angenommen „noch lange zum Segen unserer Stadt“ auswirken sollte, 28 sondern diese vielmehr in ihrem Charakter bedrohte. Schließlich lenkte die Gesellschaft ein und griff einen alternativen Vorschlag auf: Statt der Königsallee sollte eine Parallelstraße – die Kaiserstraße/Jahnstraße – die Nord-Südachse aufnehmen. 29 Für die großen Einzelbauten wurden Spezialprojekte aufgestellt. So beschäftigte sich Emil Fahrenkamp mit der Gestaltung der Rheinfront und dem dort geplanten Rathausbau, wie er es schon Jahre zuvor für den Wettbewerb von 1924/25 getan hatte. Riemann beschrieb 1949 eindrücklich die sich ausdehnenden Vorhaben der Stadtbaugesellschaft:

„Als die Berufung des Gauleiters zum Leiter der Neugestaltung der Stadt Düsseldorf auf Grund des Städtebaugesetzes vom ………19… erfolgt war, konnte der Selbstherrlichkeit der Planung, der der Architekt Ausdruck verleihen mußte, und oft gegen seine bessere Einsicht, nichts mehr entgegengesetzt werden. Nunmehr ergriffen die Gestaltungswünsche hemmungslos auch das linke Rheinufer, wo eine „K.d.F.-Stadt“ entstehen sollte mit riesenhaften Hotels u.s.w. unter Abriegelung der Luegallee und Schaffung einer Grünachse zwischen Luegallee und Salierstraße, diese selbst mit entsprechenden Durchbrüchen nach dem Belsenplatz hin als Brückenstraße. Die Rheinbrücke sollte südlich der Kunstakademie den Rhein überqueren. Die fortschreitende Zerstörung der Stadt durch die Luftbombardements räumte auch den Zwang hinweg, den eine bestehende, intakte Bebauung einer Planung auferlegt. Die Lebenskraft einer Grünanlage, wie der Hofgarten, seit 150 Jahren bestehend, war weniger leicht beiseitezuschieben, als die Trümmer einstiger Häuserzeilen.“ 30

Die Verwirklichung der Ideen wurde durch den Kriegsverlauf vereitelt. So erhielt Düsseldorf weder ein Schlageterforum noch eine K.d.F.-Stadt. Parallelen zu Planungen aus der Weimarer Republik und aus dem Kaiserreich sind unübersehbar. Die Düsseldorfer Nationalsozialisten hingen ähnlichen Träumen nach wie ihre Vorgänger: Der Wunsch nach einem neuen, den modernen Ansprüchen und dem Rufe der Kunststadt entsprechenden Museum war in Düsseldorf immer laut gewesen; ebenso vehement forderte man den Bau eines Rathauses, für welches es seit der Jahrhundertwende regelmäßig Lösungsvorschläge gegeben hatte. 31

Auch die Idee eines symbolischen Turmes hatte eine lange Tradition in Düsseldorf. Auf fast allen bisher veranstalteten Ausstellungen hatte es als architektonisches Zentrum einen hohen Turm gegeben. Die Entwürfe für die verschiedenen Rathausneubau-Wettbewerbe zeigten meist ebenfalls einen hohen Turm, der die Bedeutung des Machtzentrums Rathaus betonen und gleichzeitig als Blickfang der gesamten Stadtsilhouette dienen sollte. Ähnlichen Zwecken sollte auch der geplante Gauleiter-Turm der Nationalsozialisten dienen, der die Verschiebung der Machtzentrale von einer städtischen Einrichtung hin zu einer Parteistelle symbolisierte. Des Gauleiters Wunsch nach einem mehrere hundert Meter hohen Turm für sein Refugium hatte direkte Vorbilder: Bereits vor dem Ersten Weltkrieg war die Idee verbreitet, in Düsseldorf die ersten Weltausstellung auf deutschem Boden zu veranstalten, wofür man einen – im Zusammenhang mit einer geplanten Weltausstellung in der Golzheimer Heide – 500 Meter hohen Stahlturm zu errichten plante, der das Können der deutschen Stahlindustrie beweisen und den ’nur‘ 300 m hohen Pariser Eiffelturm in den Schatten stellen sollte. 32 Hatte man das Turm-Motiv in jenen Jahren noch als Werbemöglichkeit und Darstellung der Bedeutung der westdeutschen Stahlindustrie gesehen, so konnte der Gauleiter-Turm nur als aggressive Demonstration der Allmacht der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei gelten. Die neuen Machthaber scheuten sich nicht, auf Planungen vergangener Tage zurückzugreifen, um sie dann – in völlig übersteigerter Form – als nationalsozialistische Invention anzupreisen. Nach 1945 wurde die Nord-Süd-Achse in Form der Berliner Allee eingeschneist, das Messe- und Kongresszentrum entstand in Stockum, ein neues Museum konnte 1970 eingeweiht werden und der Wunsch nach einem Turm wurde 1982 mit der Fertigstellung des Rheinturms endlich befriedigt.

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1. Ebel 1936:506f
2. Görgen 1968:157
3. RLZ vom 4.10.1937
4. DN vom 26.5.1938
5. Vgl. Entwurf für ein Opernhaus von Peter Grund in Girkon 1962:17, der wahrscheinlich mit diesen Planungen im Zusammenhang steht.
6. Einer der zahlreichen Vorschläge für die Kongresshalle stammt vom Schriftleiter der RWZ, der eine von Stang angefertigte Studie an den OB schickt, die eine Kongresshalle auf dem Gelände des Ständehauses vorsah. Der k.OB verwies Stang an Graubner, den Städteplaner der Stadtverwaltung (!), StAD iv 1903, Brief vom 19.9.1937
7. StAD NL Ebel 122, o.D.
8. Hitler soll den Bau eines Opernhauses angeordnet haben; so Görgen 1968:161, nach Bundesarchiv R 43 II/1015
9. Ratsherrenprotokoll vom 23.3.1938
10. Ratsherrenprotokoll vom 15.8.1938
11. Ratsherrenprotokoll vom 15.8.1938
12. RLZ vom 3.4.1935
13. Görgen 1968:226
14. Ratsherrenprotokoll vom 6.5.1940
15. StAD iv 1831, Planungen für Düsseldorf und den gesamten Düsseldorfer Süden, ca. November 1937
16. Die genannte Straße sollte vom Bilker Bahnhof (von der neuen Neusser Brücke kommend) über die damalige Himmelgeister Landstraße führen, hinter dem Fleher Wasserwerk auf den Rhein treffen, dessen Lauf in Form eines Dammes mit breiter Krone aufnehmen, von dort aus weiter zum Elberfelder Wasserwerk an der Bonner Straße verlaufen. Hier sollte sie bei der Feldmühle zur Rheinuferstraße werden und an Müller, Gelshorn & Wagemann und den Benrather Rheinterrassen vorbeiführen, über die Mündung des Altrheins an den Kämpen verlaufen (heute Naturschutzgebiet), dann weiter nach Kaymer (Ausleger nach Zons), vorbei an dem projektierten Freibad, weiter nach Baumberg und Monheim führen, wobei ein großes Vorflutgelände eingedeicht worden wäre; vgl. StAD iv 1831, Planungen für Düsseldorf und den gesamten Düsseldorfer Süden, ca. November 1937
17. HStAD, Gestapo 30783, o.D.
18. Hüttenberger 1989:529
19. Görgen 1967:222; vgl. auch StAD iv 4877
20. HStAD, Gestapo 30783, Bericht vom 9.4.1940
21. HStAD, Gestapo 30783, Bericht vom 29.4.1940
22. StAD iv 1903, Brief von k.OB Liederley vom 19.9.1937. Wie lange Graubner zu diesem Zeitpunkt schon in Düsseldorf als Stadtplaner tätig war ist leider nicht bekannt.
23. StAD iv 4877, Gesellschaftsvertrag
24. Riemann 1949:39 in StAD xxiii 690
25. Kreisleiter Walter in RLZ vom 7.3.1945
26. Protokoll der Ratsherrensitzung vom 7.6.1939
27. Riemann 1949:32 in StAD xxiii 690
28. Riemann 1949:79 in StAD xxiii 690
29. Riemann 1949:40 in StAD xxiii 690. Die Idee der Nord-Süd-Achse wurde nach 1945 fast an gleicher Stelle verwirklicht, als die Berliner Allee entstand, einer der Hauptverkehrsstrassen Düsseldorf, die ‚künstlich‘ geschaffen wurde.
30. Riemann 1949:40 in StAD xxiii 690
31. Vgl. Tamms: Die Düsseldorfer Rathausprojekte seit 1900, Düsseldorf 1953
32. StAD iv 18675, Protokoll vom 21.10.1938

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